Betty Reis

Foto: Betty-Reis-Gesamtschule Wassenberg – Europaschule

Unser Verein wurde nach Betty Reis benannt, die als Jugendliche eine Zeit lang in Solingen-Ohligs lebte – bis die Nationalsozialisten ihr junges Leben aus der Bahn warfen und schließlich zerstörten.

Die am 15. Juli 1921 in Wassenberg (Kreis Heinsberg) geborene Betty Reis war die Tochter der Eheleute Else und Willy Reis. Als 17-jährige Jugendliche führte sie die Suche nach Arbeit in die Klingenstadt Solingen. Hier fand sie an der Wilhelmstraße 28 in Ohligs in der Villa der Fabrikantenfamilie Bremshey als „Mädchen für alles“ Aufnahme. In der Nähe betrieb die jüdische Familie Hertz eine Eisenwarenhandlung, in der Bettys Bruder Walter Reis sich in Ausbildung als Kaufmann befand. Die Mutter von Betty und Walter Reis war eine geborene Hertz, der Inhaber der Eisenwarenhandlung deren Cousin. Im Hause Bahnstraße 10 befanden sich auch Büroräume von Fritz Bremshey. Später musste Betty ihre Arbeitsstelle wechseln und arbeitete als Kindermädchen für den jüdischen Möbelhändler Sally Tabak in Solingen.

In der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde Betty Reis von den Nazis verhaftet und in einem Keller zwei Tage lang misshandelt und gefoltert. Dem Einfluss der Eheleute Bremshey war es zu danken, dass die SA sich dazu bewegen ließ, Betty Reis wieder die Freiheit zu schenken.

Die Eheleute Bremshey, denen Betty Reis wohl ihr Leben zu danken hatte, waren es auch, die Walter Reis, der ab dem 17. März 1939 zunächst bei Verwandten im niederländischen Venlo Unterschlupf fand, zum Schutz vor dem NS-Terror eine Ausreise nach England ermöglichten.

Im November 1944 wurde Betty Reis in das Konzentrationslager Bergen-Belsen deportiert, in dem sie noch vor der acht Jahre jüngeren und durch ihr erhaltenes Tagebuch bekannten Anne Frank ermordet wurde. Der genaue Tag ihres Todes ist unbekannt. Sie wurde am 2. Februar 1953 beim Amtsgericht Heinsberg offiziell für tot erklärt.

Die Betty-Reis-Gesellschaft will an ihr Schicksal erinnern und durch den Betty-Reis-Buchpreis dafür Sorge tragen, dass Kindern und Jugendlichen Menschlichkeit, Toleranz und Respekt vermittelt werden, um unsere Gesellschaft vor extremistischen und menschenfeindlichen Entwicklungen zu schützen.