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„Es lebe die Freiheit!“

Hans Scholl, Bodendenkmal vor der LMU München. Foto: Daniela Tobias

„Es lebe die Freiheit!“ Das war der letzte Ausruf von Hans Scholl vor seiner Hinrichtung. Er zeigt eindrucksvoll die Macht der Worte, die weiterleben und trotz allem ihre Freiheit behaupten. 100 Jahre alt wäre der damalige Medizinstudent am 22. September 2018 geworden. Er, seine Schwester und seine Mitstreiter von der Weißen Rose, die – sicher nicht furchtlos, aber mutig – Widerstand gegen die Unmenschlichkeit des Nationalsozialismus leisteten und dafür mit ihrem Leben zahlten, werden heute oft zitiert. Leider auch von solchen Kräften, die sich als verfolgter Widerstand gerieren, aber nichts anderes als einen Umsturz der parlamentarischen Demokratie im Sinn haben, die sie als schwach verachten.

Bücher, die mit Worten eindringlich, eindeutig und emphatisch für Menschlichkeit werben, die Begriffe wie Frieden, Freiheit und Toleranz in lebendige Geschichten verwandeln, die Mut machen und in das eigene Leben hineinwachsen, Kindern und Jugendlichen das Rüstzeug für die Herausforderungen des Lebens mitgeben, solche Bücher hat die Betty-Reis-Gesellschaft jetzt zusammen mit dem Schulverein der Geschwister-Scholl-Schule gespendet. Über 100 Titel im Wert von 1000 Euro sind seit Samstag in der Stadtbibliothek ausgestellt und zeigen die Vielfalt an Autoren, Themen und Darstellungsformen – von Klassikern wie Ronja Räubertochter oder dem Tagebuch der Anne Frank bis hin zu Romanen, die aktuelle gesellschaftliche Fragen aufgreifen, von Bilderbuch und Graphic Novel bis hin zum Sachbuch ist alles dabei. Die bunte Mischung, die noch bis Ende November in den beiden knallroten Regalen der Stadtbibliothek zum Stöbern einlädt, wird anschließend den Schulbibliotheken der Geschwister-Scholl-Schule und der Grundschule Bogenstraße zur pädagogischen Arbeit zur Verfügung gestellt.

Die Betty-Reis-Gesellschaft, das Team der Stadtbibliothek, Dezernentin Dagmar Becker (Mitte) und Autor Rüdiger Bertram (2.v.l.) eröffneten die Bücherausstellung. Foto: Daniela Tobias

Denn die Schülerinnen und Schüler der beiden Schulen werden zukünftig einen Teil der Jury stellen, wenn es um die Verleihung des Betty-Reis-Buchpreises geht. Im jährlichen Wechsel sollen deutschsprachige Kinder- und Jugendbücher ausgezeichnet werden, die sich für Frieden, Freiheit und Toleranz einsetzen und das auf literarisch qualitätsvolle Weise, die auch bei den jungen Leserinnen und Lesern ankommt.

Dezernentin Dagmar Becker, die die Ausstellung eröffnete, bedankte sich für das Engagement und betonte: „Es ist so wichtig, dass bei den jungen Menschen rechtzeitig das Verständnis für eine freiheitliche, demokratische Gesellschaft geweckt wird. Wir müssen sie nicht nur wertschätzen, sondern auch daran arbeiten. Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Und sie verlangt von uns auch andere Meinungen stehen lassen und Vielfalt aushalten zu können.“

Olaf Link erzählte den Besuchern als Vorsitzender des Vereins von der erschütternden Geschichte des jüdischen Mädchens Betty Reis, die in der Pogromnacht im November 1938 in Solingen verhaftet und zwei Nächte lang misshandelt und gefoltert wurde. Sie kam 1944 in Bergen-Belsen ums Leben. Damit ihr Schicksal nicht vergessen wird und solche Ideologien nie wieder politisch Fuß fassen können wollen wir in ihrem Namen einen Buchpreis vergeben, der menschenfeindlichen Einstellungen entgegenwirkt und Kinder und Jugendliche positiv darin bestärkt, sich für ein freies, respektvolles und tolerantes Miteinander einzusetzen.

Rüdiger Bertram als einer der Autoren im roten Regal las anschließend aus seinem Roman „Der Pfad“. Darin geht es um einen Vater und seinen Sohn, die aus Berlin vor den Nationalsozialisten geflüchtet sind und mit Hilfe von Schmugglern versuchen die französisch-spanische Grenze zu überqueren. „Nachdem ich die Autobiografie von Lisa Fitko gelesen hatte, die den Philosophen Walter Benjamin über die Pyrenäen führte, fiel mir auf, dass es solche Geschichten noch nicht aus der Perspektive von Kindern gab, die ja ebenfalls solche Fluchten mitgemacht haben.“ Aus der Idee ist ein packender Abenteuer-Roman geworden, der auch für Erwachsene noch einiges an Erkenntnissen bereit hält.

Im Anschluss an die Lesung nutzten die Besucher die Gelegenheit mit Rüdiger Bertram ins Gespräch zu kommen und die Sammlung der gespendeten Büchern zu durchstöbern. Stefanie Leo, die als Mitglied der Betty-Reis-Gesellschaft bei der Auswahl der Bücher unter anderem auf Empfehlungen ihrer Kontakte in die Literaturszene zurückgriff, erklärte: „Ich leite seit mehreren Jahren eine Redaktion von Kindern und Jugendlichen, die Bücher rezensieren. Ich erfahre dadurch, was die jungen Leser bewegt und dann zum Weiterdenken anregt. Diese Perspektive möchten wir auf jeden Fall auch für den Buchpreis nutzen.“

Auch Stefanie Leo schreibt auf ihrem Blog buecherkinder.de über die Ausstellung.

Das Solinger Tageblatt berichtete am 26.9.2018: „Betty-Reis-Gesellschaft will Buchpreis vergeben“

Die Liste [pdf] der von uns gespendeten Bücher können Sie hier herunterladen.